Gastbeitrag: Urbane Selbstversorgung im Januar

Wildpflanzen sammeln und Balkongartenpläne schmieden

Im Januar, nach der stimmungsvollen Weihnachtszeit und dem turbulenten Neujahrswechsel, kehrt bei uns daheim eine wohltuende Ruhe ein. Die Wohnung ist aufgeräumt, das alte Jahr wurde ausgeräuchert und auf dem Balkon bewegen sich nur die kleinen Meisen und Amseln, die jeden Morgen ihr Frühstück abholen. Der Januar steht bei mir deshalb immer ganz im Zeichen von Rückzug und Erholung, jedoch immer mit dem Blick und der Vorfreude auf das bevorstehende Jahr.

Balkonarbeiten ruhen

Der Balkon befindet sich gerade in tiefster Winterruhe. Leider wurden die Erbsen, die ich im Herbst ausgesät habe, als junge Keimlinge von den Amseln gestohlen. Auch der Spinat ist in diesem Jahr nichts geworden.  Aus diesem Grund habe ich mich von den sichtbaren Zeichen meines gärtnerischen Misserfolgs getrennt und die Pflanzgefäße entfernt. Trotzdem sieht es bei mir auf dem Balkon momentan nicht karg aus. Denn die Rose blüht und zeigt sich mit einem satten Rot. Die Christrose gedeiht zu ihrer Hochzeit ganz wunderbar. Zudem sind Hornveilchen äußerst dankbare Winterblüher und verschönern den Balkon und die Fensterbank.

Woran Du im Januar unbedingt denken solltest:

Mit Anbauplänen beginnen

Da ich im Januar nicht sehr viele Gelegenheiten habe, um in der Erde zu wühlen, beschäftige ich mich zu dieser Zeit am liebsten mit dem Schmieden von Gartenplänen. Zuerst aber gehe ich das alte Saatgut durch und überlege, wieviel Platz ich auf dem Balkon dafür nutzen kann. Wenn möglich baue ich in drei Phasen an:

1. Frühjahrsgemüse (wie Erbsen, Salate und Radieschen) von Februar bis Mai

2. Sommergemüse (vorgezogene Gurken, Tomaten, Zucchini) von Mai (nach den Eisheiligen) bis September

3. Wintergemüse (Spinat, Salate, Erbsen, Radieschen) von September bis Dezember

Für die kommende Saison habe ich schon verschiedene, kleinwüchsige Gemüsesorten in Form von Samen besorgt. Ich bin jedoch noch unschlüssig darüber, ob ich mehrere Sorten anbaue oder ob ich es in diesem Jahr einfach einmal mit Kürbis probieren soll, der einen höheren Platzbedarf hat. Aber wie ich mich kenne, kann ich nicht anders, als dass ich erst einmal alle Sorten vorziehe und dann entscheide, wie ich sie in geeigneten Gefäßen auf dem Balkon unterbringe.

Saatgut

Materialien sammeln und dabei Geld sparen

Den Januar nutze ich immer auch gerne dazu, alternative Pflanzgefäße und andere DIY-Materialien zu sammeln. Für die Vorzucht nutze ich gerne die Eierkartons aus Pappe und für die größeren Pflanzen Tetrapäckchen, die ich mit Abzugslöchern versehe. Falls ich einmal Plastikflaschen kaufe, dann schneide ich den oberen Teil ab und nutze sie später als Mini-Gewächshaus-Abdeckung bzw. als Schutz für die Jungpflanzen. Kleine Plastikflaschen dienen im Sommer als prima Gießhilfe. Du musst sie nur mit Wasser befüllen und umgedreht in die Erde stecken. Das Gießwasser wird dann langsam und direkt an der Wurzel an die Erde abgegeben Stoffsäcke können übrigens ebenfalls als Pflanzgefäße dienen. Sie haben den Vorteil, dass sie über ein geringes Eigengewicht verfügen und wasserdurchlässig sind. Vergiss nicht einen Untersetzer zu verwenden, damit Du beim Gießen keinen Ärger mit den Nachbarn bekommst.

Gemüseanbau auf einer Selbsternteparzelle

Die Gartensaison auf der Selbsternteparzelle beginnt leider erst Anfang Mai, deshalb werde ich darüber erst später berichten können. Eines ist jedoch schon fix: Ich wechsle den Standort und das hat mehrere Gründe. In den letzten beiden Jahren gab es bedauerlicherweise zu viele Schädlinge und zu wenige NachbarsgärtnerInnen, die ihre Parzellen pflegten. Es gab Unmengen an Unkraut zu bewältigen und die Kartoffelkäfer haben die ganze Ernte zunichtegemacht. Außerdem hatten wir Wanzen an den Tomaten. Der neue Standort ist von mir aus in nur 15-20 Minuten mit dem Fahrrad zu erreichen. Ich habe hier schon einmal angebaut und kenne die Bedingungen vor Ort. Jetzt warte ich nur noch auf die Zusage, dass ich ein Stück Land bekomme.

Selbsternteparzelle im Winter

Wildpflanzen sammeln – das gibt es im Januar zu entdecken

Im Januar gibt es auch ein paar Wildpflanzen, die sich bei fehlender Schneelage zum Sammeln anbieten. Zu meinen liebsten Winterwildpflanzen gehört der Spitzwegerich. Ich verwende die Blätter und bereite daraus einen wohltuenden Hustenhonig zu. Die Wurzeln des Baldrians, der für seine beruhigende Wirkung bekannt ist, kannst Du trocknen lassen und als Badezusatz verwenden. Falls Du Gänsefingerkraut findest, kannst Du die Vitamin-C-haltigen Blätter in den Salat tun. Gänsefingerkraut zählt übrigens zu den sogenannten Frauenkräutern, da es in der Schwangerschaft, bei der Geburt sowie gegen Regelschmerzen zum Einsatz kommt. Verwechsle das Rosengewächs jedoch keinesfalls mit dem ebenfalls gelb blühenden Kriechenden Hahnenfuß – der ist giftig!

Alle Möglichkeiten der urbanen Selbstversorgung ausschöpfen

Vielleicht baust Du bereits selber Gemüse auf dem Balkon oder auf einer Selbsternteparzelle an. Vielleicht möchtest Du Deine Möglichkeiten diesbezüglich noch weiter ausschöpfen. Auch wenn Du in der Stadt wohnst, kannst Du Gemüse selber anbauen und dabei die Freuden des Gärtnerns fröhnen. Einige Topfpflanzen lassen sich in der Wohnung oder auf einer hellen und warmen Fensterbank ziehen. Neben verschiedenen Kräutern und Kresse zählen Tomaten dazu. Kartoffeln aus dem Sack lassen sich nicht nur im Freien kultivieren, sondern auch in der Wohnung. Und vielleicht wohnst Du ja in einer Stadt, die Gemeinschaftsgärten und Baumscheibenpatenschaften anbietet. Befindet sich der Ort gerade nicht an einer Hauptstraße, kannst Du darauf Erdbeeren oder verschiedene einjährige Gemüsesorten anbauen. Was auch immer Du in diesem gerade erst begonnenen Jahr vorhast, ich wünsche Dir jedenfalls gutes Gelingen und viel Freude dabei!

Über die Autorin:

Brigitte Winklbauer ist freie Autorin und Gartenbloggerin und lebt in Österreich. In ihrem Blog bridbynature.com berichtet sie über Wildpflanzen, den Gemüseanbau auf einem sechs Quadratmeter großen Balkon sowie auf einer Selbsternteparzelle am Rande von Wien. Daneben schreibt sie über Wildkräuter, Selbstversorgung, Hausgeburten, das Abnehmen, Frau Holle und das Glück.

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